Ich bin zurück in meiner alten Form. Nein nicht, weil die Fitnessstudios wieder geöffnet haben oder weil ich dank der vielen Freizeit so viel Sport gemacht habe. Ich bin unsicher, verletzt, ängstlich und misstrauisch.

Anfangs dachte ich, dass mich die Lockdown-Nebenwirkungen nicht treffen werden – aber ist es nur das? Ich hatte sogar gedacht, dass es auch eine Art Chance ist, wollte die Situation ins Positive verkehren.
Wochen später, aber kaum ein Schritt vorwärts – es liegt eben nicht alles in meiner Hand. Und um ehrlich zu sein, Geduld zählt gar nicht zu meinen Stärken. Stillstand ist mein größter Feind. Tagein, tagaus der gleiche Rhythmus.

Ich habe Zeit, zerdenke alles und jeden Tag. Jeder Gedanke wird gedreht und gewendet, von allen Seiten betrachtet und analysiert, zwei-, drei-, viermal – unendlich oft. Kleinste Hindernisse, werfen mich aus der Bahn, werfen mich zurück in meine Vergangenheit. Und schnell beginne ich Altes wieder auszugraben.

Die Unsicherheit ist die Konstante in meinem Leben.

Sie bewegt mich zu unangenehmen Gedanken.
Sie lässt mich Zweifeln.
Sie sagt mir, dass ich nicht genug bin.

Bin ich genug? Genug, um geliebt zu werden.

Ich mache mich und alles was ich bin, abhängig von anderen. Ich bemesse meinen Wert vor allem darüber, wie mich meine Mitmenschen behandeln – oder wie sie mich nicht behandeln.

Ich bin in einem ständigen Kampf. Vergleiche mich und natürlich verliere im Ring gegen die jungen, schönen, schlanken, erfolgreichen, interessanten (…) Ladies. Aber in Wahrheit verliere ich dabei nur mich selbst.

Ich sehe in den Spiegel – finde nichts was an mir schön oder liebenswert sein könnte. Ich könnte locker tausend Dinge aufzählen, die ich an mir ändern wollen würde. Und natürlich weiß ich: Erkennst du deinen Wert nicht, werden auch andere schwer etwas Schönes in und an dir erkennen können – und ich habe schmerzlich gelernt: Auch dann nicht, wenn du sie mit einer übergroßen Leuchtreklame darauf hinweist.

Viel zu oft war ich nicht genug oder habe das aus den Handlungen anderer geschlussfolgert. Und viel zu oft, bestärkte mich das darin, noch weniger Ansprüche zu stellen, mich selbst noch ein Stück zurücknehmen – immer in der Hoffnung, dass weniger von mir und mehr für den anderen, helfen würde. Helfen, dass andere meinen Wert erkennen und wie viel ich zu geben habe.

Und heute? Heute fällt es mir schwer, zu glauben, dass es jemand ernst mit mir meint, dass ich genug bin. Dass jemand wirklich ehrlich zu mir ist. Dass es nicht die Lügen sind oder die Ausreden, die Gespräche bestimmen.

Sie ist nicht deine Freundin, wenn sie dich nicht fragt, wie du dich fühlst.
Sie ist nicht deine Freundin, wenn sie dich klein macht, damit sie groß ist.
Sie ist nicht deine Freundin, wenn sie ihm schöne Augen macht.

Er liebt dich nicht, weil er sich nachts um zwei einsam fühlt und deine Nummer wählt.
Er liebt dich nicht, wenn er mit dir schläft – für eine Nacht, obwohl er weiß wie du wirklich fühlst.
Er liebt dich nicht, wenn er sagt: „Das letzte mal eine Jungfrau im Bett, hatte ich mit 14“.

Sie lieben dich nicht, wenn sie sagen was du hören willst.

Ich habe kein Vertrauen, nicht in andere und noch weniger in mich.

Lass Worten Taten folgen.

Ich frage mich oft, woher ein gesundes Selbstbewusstsein kommen soll? (Die Theorien kenne ich. Danke an den besten Soziologiedozenten aus der Uni.) Wie viele andere Frauen, ob alt oder jung, ebenfalls damit kämpfen, nicht genug zu sein, als Frau, Mutter, Freundin,… wie sie ganz still für sich selbst sind, ohne ihre Gedanken zu teilen. Wie viele von ihnen, die Zähne zusammenbeißen, eine Mauer bauen, um sich zu schützen und sie, wie es von uns Mädchen und Frauen oft verlangt wird, einfach lächeln.

Wie sollst du glauben, dass du genug bist – genug als Frau, auch wenn du nicht der Norm entsprichst. Wenn man dir wieder und wieder suggeriert, dass du ohne den richtigen Mann an deiner Seite, unvollständig bist. Wenn du kurvig bist. Wenn du kurze Haare hast. Wenn du Frauen liebst. Wenn du keine Kinder willst. Wenn du nicht heiraten willst. Wenn du nicht geheiratet wirst – als ob wir das in der Hand hätten. Nein die Gleichung lautet nicht, nur nett und hübsch zu sein, damit dich einer heiraten wird und du endlich genug bist.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.