Würdet ihr noch einmal nach Kuba reisen? Das war die erste Frage, die uns jeder stellte als wir von unserer dreiwöchigen Kuba-Rundreise zurückgekehrt sind.

Kuba ist besonders, ganz anders und ganz eindeutig nicht die typische Karibikinsel, die ich erwartet hatte.

Es waren drei aufregende Wochen, in denen wir nicht nur viel gesehen haben, sondern auch viel gelernt haben. Wir haben gelernt, wie es sich in einer Mangelgesellschaft lebt und wir haben gelernt, wie wunderbar die Kubaner damit leben und was für unglaublich herzliche Menschen sie sind.

Wenn ich an Kuba denke, dann passieren in meinem Kopf unfassbar viele Dinge gleichzeitig und ich weiß meine Erinnerungen gar nicht so richtig zu sortieren. Dieser bunte Mix aus all den Gedanken passt irgendwie auch zu dem Kuba, wie wir es erlebt haben.

Wenn ich an Kuba denke …

… dann höre ich Musik. Sie ist überall – im Haus, im Restaurant, auf offener Straße. Sie ist laut und schallt aus überdimensional großen schwarzen Boxen oder kommt handgemacht vom einheimischen Musikern.

… dann sehe ich tanzende und singende Kubaner. Denn da wo Musik ist, sind die Tänzer nicht weit. Der Rhythmus liegt ihnen einfach im Blut. Schon von klein auf lernen die Kubaner was es heißt, ihre Hüften zu kreisen.

… dann ist es laut und stickig. Überall knattern mit ohrenbetäubendem Lärm Mopeds oder Autos gefährlich nah an Passanten vorbei, LKW scheppern, mit stehenden Menschen auf der Ladefläche, die durchlöcherten Straßen entlang und nicht nur Oldtimer hinterlassen eine Wolke aus Abgas, dass man instinktiv die Luft anhält.

Oldtimer in Kuba

… dann ist es bunt. Und ich rede nicht nur von den Fassaden der Häuser oder Autos, die sich sich fast jedem – Dank zahlreicher Reiseführer – ins Gehirn gebrannt haben dürften. Kubas Bevölkerung ist bunt und sie wirkt dabei so harmonisch wie kaum eine andere Gesellschaft, die wir kennenlernen durften. Wir haben beobachtet wie Zusammenhalt funktioniert und wir waren fasziniert, dass es zwischen jung & alt und schwarz & weiß gleichermaßen harmoniert. Ganz gleich, ob es innerhalb von Familien oder unter Bekannten und Freunden ist, hier hilft wirklich jeder jedem oder irgendjemand kennt jemanden, der jemanden kennt…ihr wisst schon.

… dann schrillt irgendwo ein Telefon. Ja richtig gelesen, ein Telefon. So eins mit Wählscheibe auf einem kleinen Tisch oder eins an der Wand im Restaurant hinter dir. Und mit den Geräten, die man bei uns wahrscheinlich nur noch im Museum oder auf dem Flohmarkt findet, wird ununterbrochen telefoniert. Und dabei zeigt sich, dass sich auf Kuba eigentlich jeder über drei Ecken kennt.

… dann stelle ich fest, Kuba ist ein Dorf. Aber nicht im Sinne, dass hier keine Geheimnisse sicher sind. Man grüßt sich – das dürfte für die meisten Städter etwas befremdlich sein. Außerdem sind vergleichsweise wenig Autos unterwegs. Es gibt mehr berittene Pferde und solche, die vor Karren gespannt sind.

… dann weiß ich, das eigentliche Leben findet auf der Straße statt. Die Häuser haben keinen Flur, man steht direkt im Wohnzimmer und die Tür steht immer offen. Menschen stehen vor den Eingängen und unterhalten sich, mit Nachbarn von nebenan oder von Gegenüber. Und das natürlich in gewisser Lautstärke, man muss schließlich allerhand Motorengeräusche oder Klänge spanischer Musik übertönen.

… dann sehe ich mehr Ladas und Polski Fiat als amerikanische Schlitten aus vergangenen Zeiten. Wenn ich waschechte Oldtimer sehe, dann sind sie meist verbeulte Bastelbuden aus alten Schrottkarren. Ich bewundere die Fahrer, die den ganzen Tag hinterm Steuer sitzen und nicht vor Abgasen ins Lummerland entschwinden.

… dann fühle ich mich sicher. Auf Kuba gibt es so gut wie keine Kriminalität. Natürlich gibt es, wie überall wo sich Touristen aufhalten, Kleinkriminelle, die ihren Vorteil aus unvorsichtigen Urlauben ziehen wollen. Und doch hatte ich zu keiner Zeit auf Kuba Angst – ich hatte hin und wieder ein unangenehmes Gefühl, was ich aber aufgrund unschöner Erinnerungen anderer Urlaube mit mir rumtrage. Und auch als ich zwei Tage und auch abends alleine in Havanna unterwegs war, hatte ich zu keiner Zeit das Gefühl ich muss besonders auf mich achtgeben.

… dann finde ich uns in urkomischen Gesprächssituationen wieder. Wir sprechen mit Menschen super gutes Englisch, auch wenn sie nicht aussehen, als hätten sie jemals eine Schule besucht.
Wir unterhalten uns mit Hilfe drei anderer Menschen, die unermüdlich übersetzen und erklären – ohne verrückt zu werden, mit Einheimischen – und fühlen uns dabei selber, als hätten wir noch nie die Schule besucht.
Wir reden, wir gestikulieren wie wild und malen Bilder und schreiben Zahlen in die Luft, wir ziehen Grimassen, verfassen Briefe und wir Lachen – die eine Sprache, die keiner Wörterbücher bedarf.

… dann stehen wir an. Nicht in Schlangen, sondern im Pulk und man weiß nur wer vor einem dran ist, wenn man sich via Augenkontakt den Vordermann raussucht oder fragt. Ein besonders spannendes Konzept finde ich, dass nur begrenzt Menschen gleichzeitig im Supermarkt sein dürfen und jeder Kassenzettel beim Verlassen des Geschäfts geprüft wird.

… dann sehe ich belagerte Marktplätze oder Stadtzentren – nicht etwa, um sich zu treffen und zu unterhalten oder weil Touristen einen Abstecher zum Hotspot Nummer 1 des Lonely Planet Reiseführers machen. Nein wir sehen Menschen, die – und das ist ein uns sehr bekanntes Bild – auf ihr Handy starren. An diesen öffentlichen Plätzen gibt es WLAN. Das ist die Verbindung nach draußen, ins Ausland, in eine kunterbunte Glitzerwelt des Massenkonsums.
Ich bekomme fast ein beklemmendes Gefühl, wenn ich daran denke, was den Menschen auf Kuba durch das Internet und die Digitalisierung bevorsteht – nicht etwa, weil ich ihnen die Modernisierung vorenthalten möchte. Ich teile nicht die Meinung anderer Touristen, die wir auf unserer Reise getroffen haben: Man sollte Kuba eingrenzen und so belassen wie es ist, damit es seinen Zauber und seinen ganz eigenen Charme behält. Nein, ich wünsche mir für die Kubaner, dass sie trotz Digitalisierung und neuen Medien, ihr Sein und ihr Gemüt behalten. Dass sie ihre Freundlichkeit nicht verlieren und auch in Zukunft füreinander einstehen und eine Gemeinschaft sind.

… dann denke ich an unsere Eltern und Großeltern und die Geschichten über Lebensmittelmarken und Dinge, die es nicht gab und die trotzdem nicht gefehlt haben. Ich sehe unsere Gastfamilie, die einen erbitterten Kampf um den Inhalt der lächerlich kleinen Haribo-Tüte, die wir mitgebracht haben, führen.
Dann weiß ich auf Kuba funktioniert alles anders. Es gibt nicht diesen Überfluss, es gibt auch mal kein fließendes Wasser oder die Klospülung gibt den Geist auf – was dich vor große Herausforderungen stellt, wenn du von der Toilette aufstehst. Zumindest in den ersten drei Minuten – kurze Zeit später weißt du, dass es wichtigeres gibt als jetzt zu die Spülung zu drücken. Es wird nicht drüber gesprochen, die Leute wissen um die kleinen Sorgen des Alltags und doch wissen sie diesen so besonders zu gestalten, dass es dir an nichts fehlt und du dich willkommen und wohlfühlst.

… dann bin ich ein anderer Mensch. Mein Herz wird warm und ich kann nicht anders als Lächeln. Und genau das ist die wertvollste Währung auf Kuba – ein herzerwärmendes Lächeln. Ich habe noch nie in so viele fremde und vor allem lächelnde Gesichter gesehen. Was anfangs noch etwas befremdlich wirkte, war wie eine Therapie.
Zunächst zögerlich, wurde ich später mit viel Freude und Freundlichkeit belohnt, als ich nicht nur zurück gelächelt habe, sondern diese Momente selbst initiiert habe. Es ist unvorstellbar, wie ein kleines Lächeln eine so große Auswirkung auf dich haben kann, wie sehr es dich mit Fremden verbindet und wie es dein Wohlbefinden auf positive Weise beeinflusst. Und jedes Lächeln zeigte uns, ihr seid willkommen.

Ihr vermisst jetzt wahrscheinlich die Review zum Strand. Keine Frage den schönen feinkörnigen Sandstrand gibt es auch auf Kuba – aber alleine dafür würde ich nicht in das Land reisen. Kuba bietet so viel mehr als salzige Haare, braune Haut und Sand zwischen den Zehen. Und um ehrlich zu sein, gibt es in der Karibik viel schönere und von Palmen gesäumte Sandstrände – auch, wenn diese dann nicht ganz so einsam und verlassen wie der Strand in Varadero.

Ja, wir würden noch einmal nach Kuba reisen, aber…

… wir würden unsere negativen Erfahrungen, die wir auf anderen Reisen gesammelt haben, ablegen. Wir würden uns frei machen, von Erwartungen und einer Habachtstellung, dass uns Touristen doch etwas schlimmes passieren muss.
Und wir würden unsere sperrigen Koffer gegen Rucksäcke tauschen.

Die Zeit auf Kuba war eine Reise, auf der wir unglaublich viel gelernt haben

Auf Kuba lernt man, dass man keine Scheu haben sollte, vor fremden Menschen, vor neugierigen Gastgebern oder fragwürdigen Zeitgenossen – denn all diese großartigen Menschen haben uns gezeigt, wie wunderbar dieses Land, die Leute und das einfache Leben ist. Wir haben gelernt, auf wie viel wir in unserem Leben eigentlich verzichten könnten und das was wirklich zählt, deine Familie und deine Freunde sind.


2 Replies to “Kuba: Eine ganz besondere Karibikinsel

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