Das passiert mir in letzter Zeit immer häufiger: Ich gehe durch die Stadt und starre wildfremde Menschen an. Gefühlt bleibt die Zeit stehen oder bin das ich?
Ich blicke auf ihre Hände. Genauer auf das, was sie in den Händen halten. Ich versuche einen Blick auf die Rückseite zu erhaschen. Kein gewöhnliches Display. Dann das typische Geräusch, der Filmtransport. Ich muss lächeln, wenn ich andere Menschen mit analogen Kameras sehe.

Dann blicke ich ihnen ins Gesicht. Es sind nicht nur die Alten, nein vor allem die Jungen. Sie sind es, die mit ihren analogen Kameras die Welt einfangen: Menschen, Gesichter, Emotionen – Straßen, Häuser, Städte.

Mein Herz hüpft ein wenig. Direkt möchte ich hingehen und die Kamera unter die Lupe nehmen. Will wissen, warum sie analog fotografieren. Und, zeigen, dass ich es ihnen gleich tue.
Die Zahl derer, die die alten Schätze ausgraben oder sogar in eine neue Filmkamera investieren, wächst – das fällt mir hier in Leipzig immer wieder auf.

Meine Generation ist damit aufgewachsen. Digitalkameras? Gab es nicht. Kamera am Handy? Das war das Highlight meiner späten Jugend.

Ich erinnere mich noch an meinen ersten Fotoapparat. Rot, klein, Modell „point & shoot“ – draufhalten und abdrücken. Das war im Ferienlager ganz großes Kino für mich.

Und auch zu Hause hieß es: Film einlegen, Knipsen, Entwickeln. Das halbe Leben archiviert, aber nicht auf Platte oder in der Cloud. Kistenweise stapeln sich bei uns die Fotos von früher, der Rest feinsäuberlich in Alben einsortiert.

Mit der ersten digitalen Kamera war der Zauber schnell weg – die Magie des schnellen Bildes, sie hat uns alle gefangen genommen. Knipsen, löschen, knipsen, löschen – tausende Male, wenn man denn so wollte.
Filmkameras oder Sofortbildkameras, wie der Kassenschlager von Polaroid hatten ausgedient. Nur wenige sind ihnen auf ewig treu geblieben und sie wussten schon immer, um den Charme der analogen Fotografie.

Canon EOS3

Meine erste richtige Kamera liegt noch immer im Schrank. Ein günstiges Einsteigermodell, dass ich mir damals von meinem Jugendweihe-Geld gegönnt habe.

Mein Pap ist schuld, würde ich heute die kleine, aber feine Sammlung im Regal rechtfertigen. War er es doch, der die Filme damals im Akkord durchgeschossen hat und so für unvergessliche Erinnerungen gesorgt hat.

Analog only

Mittlerweile stehen in meinem Schrank verschiedene Spiegelreflexkameras, alle für den gängigen 35-mm-Film – bis auf eine Ausnahme, meine Polaroid. Die analoge Sammlung erstreckt sich über verschiedene Jahrzehnte. Jedes System bringt ihren ganz eigenen Charme, ihre persönliche Geschichte und vor allem Ausstattung mit.

Ananloge Kameras

I believe in film: Wusstet ihr, dass der Kleinbildfilm – 35mm breit – in den digitalen Kameras weiterlebt.
Er ist Maß für den Vollformatsensor.

Angefangen von einem Familienerbstück der 1950er Jahre – eine Praktica FX. Von meinem Opa, an meinen Vater übergeben, hat sie den Weg zu mir gefunden.

Schon Jahre kenne ich das Bild meiner Eltern – ein Spiegelselfie. Dinge, die wir eigentlich mit der digitalisierten Welt assoziieren. Seit ich dieses Bild kenne, war klar, ich will diese Kamera. Nach Jahren der Suche halte ich sie nun endlich in den Händen.

Das Besondere:
Die Kamera ist voll manuell und hat einen Lichtschachtsucher. Heißt, sie braucht keine Batterien und man blickt von oben in den Sucher, spiegelverkehrt – das ist etwas gewöhnungsbedürftig.
Filmtransport, Einstellung von Belichtungszeit und Blende – alles muss von Hand erfolgen. Das braucht schon ein gutes Wissen was Licht und Zeit in der Fotografie bewirken können.

Praktica FX

Die Praktica ist ein Liebhaber- oder Sammlerstück – keine Kamera für den schnelllebigen Alltag.
Einen tüchtigen Begleiter habe ich daher in meiner oder besser in der Kamera meines Paps gefunden.
Die Canon EOS 3000V ist eine leichte und vor allem sehr zuverlässige Kamera von 2004. Ich habe unzählige Filme allein in diesem Jahr durchgeschossen, sie läuft und läuft – die Funktionen sind übersichtlich. Klar, denn sie ist ja auch ein Einsteigermodell.

Obwohl ich mit der Kamera voll und ganz zufrieden bin, stört mich ein Umstand an der analogen Fotografie: der Film ist eine Einbahnstraße.
Schon immer wollte ich meine alte Konica Minolta, ebenfalls ein Modell der 2000er Jahre als Backup nutzen: Für ein anderes Projekt, einen schwarz-weiß oder experimentellen Film, wenn in der Canon der Farbfilm noch nicht voll ist. Doch und das stört mich, sie bietet noch mehr Ausstattung – kein Belichtungsmesser ist eben ein Belichtungsmesser zu wenig.

Deshalb durfte kurz vor dem Urlaub noch eine weitere Canon einziehen. Die Canon EOS 50E – eine semiprofessionelle, große Kamera mit augengesteuertem Fokus. Eine nette Spielerei, die sich für mich im Alltag als nicht wirklich brauchbar herausgestellt hat.
Leider ist die Kamera nicht komplett fehlerfrei und krankt am Verschluss, auch wenn die Bilder einwandfrei sind.

Mittlerweile habe ich auch Herrn K. von der Vintage-Fotografie und ananlogen Kameras überzeugen können. Überholt er mich fast mit seinem Wissen und Ehrgeiz rund um die analoge Fotografie, so ergänzen wir uns hier bis ins Detail. Kamerasysteme, Formate und Filme, Digitalisierung und Nachbearbeitung – für uns gibt es immer was Neues zu entdecken und bis tief in die Nacht zu besprechen.

Herr K. knipst standesgemäß mit einer Hasselblad im Mittelformat.
Canon EOS3

Angefixt vom System und der umfangreichen Ausstattung, ging die Suche noch im Urlaub nach einer professionellen analogen Spiegelreflexkamera weiter. Wir haben unzählige Kamerageschäfte abgeklappert, immer auf der Suche nach dem neuen Schmuckstück für unsere Sammlung.

Ich wusste, es soll wieder eine Canon sein. Das Menü ist übersichtlich, die Funktionen selbsterklärend und die Marke steht seit Jahren für Zuverlässigkeit. Außerdem sind auch die späten analogen Modelle mit den derzeitigen Objektiven nutzbar und für mich somit von besonderem Interesse.

Es dauerte nicht lange und Herr K. lenkte meinen Blick auf die Canon EOS 3.

Sie unterscheidet sich kaum von den digitalen Nachfolgern – nur der Blick auf die Rückseite verrät: hier wird Film transportiert.

Die EOS 3 wurde bis 2007 produziert und gehört neben der EOS 1 zu den Flaggschiffen von Canon. Sie begleiteten das „Ende“ einer über 100-jährigen Ära. Nur noch wenige Hersteller bauen überhaupt noch neue analoge Kameras.

Ich liebe es mit der EOS 3 zu fotografieren.
Es ist ein besonderes Gefühl. Der laute Spiegelschlag verrät hier ist einiges an Gewicht im Spiel und tatsächlich hat man mit über 700 Gramm einiges zu schleppen.
Trotz ihrer Größe, liegt sie gut in meinen kleinen Händen.

Ein besonderes Extra:
Mit ihr habe ich endlich eine analoge Kamera gefunden, die es mir erlaubt mit Doppelbelichtungen zu experimentieren. Etwas, dass ich bei allen anderen Kameras vermisst habe.

Doppelbelichtung Canon EOS3

Wer sich ebenfalls von der Faszination analoge Fotografie anstecken lassen will, findet auf dem Gebrauchtmarkt wirklich preisgünstige Modelle – Tendenz steigend – aller Marken. Wir werden auf jeden Fall weiterhin die Augen nach Schätzen und Besonderheiten offen halten.


One Reply to “Echte Klassiker: analoge Kameras”

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