Es ist so weit, ich bin 30! Und das schon eine ganze Woche – hat sich dadurch etwas verändert? Nein, nicht wirklich!
Ich muss dennoch sagen, ein wenig Ehrfurcht bringt die große Drei mit sich – ich habe das Gefühl, ich müsste mich jetzt erwachsen fühlen, irgendwie angekommen. Und gleichzeitig will ich mich davon nicht unter Druck setzen lassen. Komische Kiste.
Vielleicht liegt es daran, dass unsere Eltern in dem Alter einfach ein Stück weiter waren, ein Stück weiter mit dem Lebensplan.

Man ist nur so alt wie man sich fühlt. 

Mein 14-jähriges Ich würde jetzt über mich lachen und unterschreiben, dass ich offiziell alt bin. Ich spüre auch direkt die strafenden Blicke, die mir bestätigen, dass meine Outfits absolut nicht zeitgemäß und meines Alters entsprechend sind – schließlich bin ich zu alt für auffällige Kleidung, wie Crop Top oder Momjeans.

Und eigentlich sollte ich mir doch lieber was Gediegenes anziehen. Wie heißt der Laden doch gleich – ah ja Bonita!
Und die Piercings und Tattoos – oh Gott was glaubt die eigentlich wie alt sie ist?!

Ich meine wir kennen es doch alle, die damals 30-Jährigen, die für uns ganz nah an der Grenze zum Renteneintritt standen. Die, die sich lieber um altersgerechtes Wohnen, als um den nächsten Abenteuerurlaub kümmern sollten.

Und tatsächlich, das ein oder andere Anzeichen für die 30 lässt sich nicht mehr abstreiten – der Blick in meinen Schrank verrät: die meisten meiner Kleidungsstücke sind beige, auch wenn ich nicht mit Polster & Pohl verreise.
Ja, ich schlafe weniger, die senile Bettflucht treibt mich auch an freien Tagen vor dem Weckerklingeln aus den Federn. Im Rücken schmerzt es hin und wieder und ja, die Brille hilft gegen die zunehmende Nachtblindheit.
Und jetzt mal unter uns, das mit den grauen Haaren – auch das wird langsam ernst.

Und doch möchte ich allen zeigen, die 30 sind längst nicht das Ende, sondern erst der Anfang. Und auch jetzt würde mein jugendliches Ich bestätigen – solche Sätze kommen nur von Alten.

Einladung zum 30. Geburtstag

Als ich diesen Text getippt habe, war alles noch wie immer … fast langweilig würde ich mich beklagen.
Ein bisschen genervt vom Alltag, schreibe ich also die Einladung für meinen 30. Geburtstag, flüchte mich mit dem Texten vor den langen, dunklen Abenden und weiß mit meinem Geburtstag kommt auch bald der Frühling und mit ihm die Möglichkeit draußen zu sein – ohne zu frieren, die Sonne genießen und Energie tanken zu können.
Ich habe uns gesehen, meine Familie, meine Freunde. In einer hübschen kleinen Bar, nahe unserer Wohnung. Eine große 30, eine edel geschmückte Tafel, ausgelassene Stimmung.

Und jetzt ist alles anders. Jetzt wünschen wir uns alle nichts mehr als die langweilige Normalität, während unser Alltag nun durch Covid-19 bestimmt wird.
Auch mein Geburtstag ist eines der Opfer, das wir gerade alle bringen müssen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

Keine große Sause, keine hippen Drinks, keine vor Glitzer schimmernden Gesichter auf Fotos und Videos. Stattdessen nur die Notbesatzung am Kaffeetisch, Kerzen auspusten und Gitarrenständchen via Videochat, Geburtstagsgrüße von der Straße bis ans Fenster im dritten Stock oder Geschenke im Fahrstuhl. Mein 30. Geburtstag war anders, ganz besonders und dennoch wunderschön. Und, den aktuellen Umständen geschuldet, irgendwie auch unvergesslich.

Jetzt wird abgerechnet: Meine Bucket List bis zum 30. Geburtstag

Ich habe keinen Plan fürs Leben, weder privat, noch beruflich. Dennoch gibt es ein paar wenige Wünsche oder Ziele, die ich verfolge – ein ausgereifter Meilensteinplan mit Zeitfenster, negativ.

Eine paar Kleinigkeiten hatte ich dennoch auf eine, mehr symbolische, To-do-Liste bis zu meinem 30. Geburtstag gesetzt.
Das waren vor allem Ziele, die ich selber und ohne fremde Hilfe erreichen konnte und wollte.

Und wie das Leben so spielt – im Verlauf eines Jahres, können sich Dinge ändern, du änderst dich und damit auch deine Prioritäten – weshalb der ein oder andere Wunsch auf meiner Liste immer noch beim Status auf 0% steht.

Die Abrechnung erfolgt, nicht wie versprochen, auf den Tag genau – aber sie folgt:

Im letzten Jahr habe ich nicht nur eine, sondern eine Vielzahl an unbekannten Städten besuchen dürfen – und das nicht nur in Europa. Ich war an vielen wunderschönen Orten in Österreich, ich habe ein Wochenende in Utrecht verbracht und ich war auf einer Rundreise durch Kuba, inklusive einem Abstecher nach Havanna – wobei mein Geheimtipp für die Karibikinsel die Studentenstadt Santa Clara ist.
Und wenn ich von Kuba erzähle, kann ich auch direkt den Haken hinter „Ein, mir fremdes Land, bereisen“ setzen.

Ich habe es im letzten Jahr nicht geschafft auch nur einen analogen Film selbst zu entwickeln. Umso mehr Filme habe ich dafür verschossen, unzählige Bilder digitalisiert und Negative weggeheftet.
Und – für so manchen übertrieben – viele neue analoge Kameras sind bei uns eingezogen – alles wahre Schätze, einzigartig und besonders.
Noch in den kommenden Wochen, werde ich den Haken hinter „Einen analogen Film selbst entwickeln“ setzen. Zu meinem 30. Geburtstag hat mir Herr K. einen Chemiebaukasten für das heimische Fotolabor geschenkt. Und nun gibt es keinerlei Ausreden mehr, nicht selbst an Hand anzulegen und den Schritt in die Dunkelkammer zu wagen.

Einen Haken setze ich außerdem hinter „Eine neue Sportart ausprobieren“. Noch im letzten Jahr habe ich mich wieder beim Sport angemeldet und versucht regelmäßig Einheiten beim Bodypump zu absolvieren – und dann kam Corona.

Einen weiteren Haken setze ich hinter den Domainumzug. Mit kleinen Schwierigkeiten, habe ich es auch geschafft meinen Blog auf mittanne.de umzuziehen.

Weniger erfolgreich war ich in Sachen Me-time – ich habe die Zeit dafür mit wertvollen Menschen verbracht. Kein schlechter Deal!

In Sachen Buch bin ich auf dem Stand wie vor einem Jahr. Vielleicht lag es an der Zeit – neuer Job, weniger Freizeit. Vielleicht lag es auch daran, dass ich nicht noch mehr Stunden vor dem Bildschirm verbringen wollte, als eh schon, bedingt durch Beruf und Blog. Vielleicht ist es aber auch die Story, die Grundlage des Buches. Das Thema ist nicht vom Tisch, ich möchte nach wie vor ein Buch schreiben und das werde ich, früher oder später.


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