Wer hätte gedacht, dass mich eine Sache, neben dem Schreiben, mal so fesseln würde.
Mit 14 habe ich meine erste eigene Kamera gekauft. Damals war es noch normal analog zu fotografieren, es gab schlichtweg keine Digitalkameras. 
Richtig verstanden was ich da mache, habe ich aber nicht. Draufhalten, durchdrücken und auf das Beste hoffen! 

Heute werde ich schnell auf meine analogen Kameras angesprochen – viele sind verwundert, dass es überhaupt noch Film gibt. Es ist nur ein verhältnismäßig kleiner Kreis aus Fotografen, die sich noch intensiv mit analoger Fotografie beschäftigen. Und sich eben mehr daraus machen, als mein 14-jähriges Ich.

Über die letzten Jahre hat mich das Thema Filmfotografie nie richtig losgelassen. Dabei ging es nicht um des Prozess des Fotografierens oder um den richtigen Umgang mit dem Gerät und dem entsprechenden Film.
Es ging vielmehr mehr um das haptische Feedback meiner Erinnerungen. Daher habe ich immer zu Einwegkameras gegriffen – dabei hätte ich es viel einfacher haben können.

Vor etwas mehr als einem Jahr, musste ich aus der Not heraus auf meine analoge Spiegelreflexkamera zurückgreifen.
Heute bin ich mehr als froh, dass es so gekommen ist. Seitdem hat mich das Thema analoge Fotografie noch einmal mehr gepackt..

Ich habe nahezu unerschöpflich viel Lust, mich nicht nur mit dem fertigen Bild zu befassen. Ich will verstehen wie das Bild entsteht. Wie welcher Film und warum zum Einsatz kommt. Ich will experimentieren, mit Licht, mit Dunkelheit, mit Farben oder auch mit abgelaufem Filmmaterial. Ich interessiere mich für die unterschiedlichsten Hersteller und die Formate und Bauweisen, die ihre Kameras mit sich bringen.

Dabei ist es besonders spannend und zugleich herausfordernd herauszufinden, welche Kamera für welchen Zweck am dienlichsten ist. Oder aber welche Kamera und welcher Film dein heimlicher Liebling, neben all den anderen wird.

Was mich dabei besonders freut, dass auch Herr K. in der analogen Fotografie etwas gefunden hat, um sich zu entwickeln und Neues zu lernen.

Film entwickeln

Stoppt die Zeit!

In den letzten Monaten habe ich unglaublich viel dazu gelernt, denn analoge Fotografie unterscheidet sich doch mehr von digitaler Fotografie als man denkt.
Außerdem hat analoges Fotografieren den wunderbaren Effekt zu entschleunigen, dich und die Welt um dich herum.

Analoge Fotografie hat einfach viel mit Zeit zu tun. Zeit sich für die Kamera zu entscheiden, das Format, für oder gegen Farbe, den richtigen Film für Tag oder Nacht, das Motiv und die passende Perspektive. Greift man zu einem richtig alten Kameramodell, aus den 1950er Jahren etwa, dann brauchst du noch einmal mehr Zeit, um die Belichtung extern zu messen und mit allen Einstellungen herumzuprobieren, bis du dir sicher bist, dass das Bild auch korrekt belichtet wird – nicht selten drückt man dann doch nicht ab, weil es das Bild vielleicht doch nicht wert ist.

Während ich zu Beginn oft einen Film einfach vollmachen wollte – um ein spezielles Bild sehen zu können, gedulde ich mich heute mehr. Ich gebe dem ganzen Prozess Zeit.

So haben Herr K. und ich fast zwei Wochen gebraucht einen Streifen mit 36 Bildern zu verschießen – so manchen Abend sind wir, ohne auch nur einmal den Auslöser gedrückt zu haben, wieder nach Hause gegangen.
Enttäuscht waren wir nie, sondern einig darüber, dass wir uns Zeit lassen wollen.

Ich knipse nicht mehr gedankenlos und frei aus der Hüfte – wobei auch das erlaubt sein muss, sondern überlege ganz genau, ob ich jetzt wirklich ein Foto schießen will.

Warum? Analoge Fotografie, insbesondere der Film ist teuer und mancher nicht ständig verfügbar. Jedes einzelne Bild kostet Geld. Außerdem fühlt es sich viel besser an, zu wissen, dass man eine Reihe von Bildern geschossen hat, bei der man weiß, dass jedes Bild eine Geschichte erzählen wird oder „sinnvoll“ ist. 

Deshalb frage ich mich immer: Was möchte ich mit dem Bild sagen, wozu möchte ich dieses Motiv festhalten?

Schon recht früh, haben wir uns entschieden, unsere Negative selber zu digitalisieren und selbst in ein fertiges Bild zu wandeln. Damit behalten wir uns auch die persönliche Note unserer Bilder.

Doch bevor man überhaupt weiß, ob es ein fertiges Bild geben wird, muss der Film entwickelt werden.
Diesen wichtigen Schritt haben wir bisher den Profis überlassen – Safety first. Sind die Bilder einmal zerstört, ist die ganze Arbeit dahin.

Ich versichere euch, ich habe schon so oft gebangt und nicht selten wurde meine Geduld auf die Probe gestellt.
Aber irgendwann kommt man an den Punkt, an dem man auch den Schritt des Entwickelns wagen will – wenigstens einmal (für den Fall, dass man versagt). Schließlich gehört das irgendwie dazu und es kürzt die Wartezeit um ein Vielfaches ab.

Aus Gesprächen mit anderen Fans der analogen Fotografie, habe ich mitgenommen, dass man als Anfänger zunächst mit der Entwicklung von Schwarzweiß-Filmen beginnen sollte. Es sei super einfach und man benötige nur wenig Equipment.
Da ich aber viel mehr Farbfilme verschieße, habe ich mich damit nicht weiter befasst – die Hürde Farbfilme zu entwickeln, war bisher einfach zu groß.
Und so hat es mehr als ein Jahr und die Initiative von Herrn K. gebraucht, um mich der Herausforderung zu stellen. 

Zu meinem Geburtstag habe ich also einen „Filmchemiebaukasten“ für Farbfilme bekommen. Einen Opferfilm später, kann ich sagen: Das war ja einfach.

Präzision im Filmlabor

Doch ganz wichtig: Auch beim Entwickeln kommt es auf die Zeit an. Hier muss man wirklich ganz genau sein. Aber wer der Anleitung folgt und step-by-step vorgeht und sich genug Zeit nimmt, der schafft auch das.

Herr K. hat mir alle Chemikalien und die Basics an Equipment besorgt. Wir haben im Handumdrehen unser fensterloses Badezimmer in eine hauseigene Dunkelkammer verwandelt. Die wohl schwierigste und auch schweißtreibendste Aufgabe ist es – wenn auch in voller Ruhe und Besonnenheit – den belichteten Film von der Patrone auf die Spule der Entwicklerdose zu wickeln.
Denn dieser Prozess muss in völliger Dunkelheit erfolgen. Blind mit Schere und empfindlichen Negativen zu hantieren, ist definitiv eine der größten Herausforderungen.
Doch mit viel Ruhe und Geduld klappt auch das problemlos.

Und, entgegen meiner Erwartung, kann man mit dem Verschließen der kleinen Dose auch das Licht wieder anschalten.
Das anschließende Entwickeln braucht viel Präzision. Vor allem beim Messen der genauen Temperatur der Lösungen braucht es penible Genauigkeit. Auf deutsche Pünktlichkeit sollte man bei der Zeit setzen, die der Film den unterschiedlichen Mitteln, wie Entwickler und Fixierer, ausgesetzt wird.

Ich kann euch gar nicht sagen, wie unglaublich es sich angefühlt hat, den ersten selbst entwickelten Film in den Händen zu halten.

Nach den ersten Gehversuchen in der Dunkelkammer, lernt man schnell worauf es ankommt. Ich habe die Angst abgelegt, aber behalte mir Respekt vor dem gesamten Entwicklungsprozess. Denn so schnell wie man nun einen Film selbst entwickelt hat, so schnell kann man auch alles zerstören.


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